Der FC Tuggen gewinnt ein enges Derby gegen den FC Rapperswil-Jona wie schon am vergangenen Wochenende dank einem Last-Minute-Tor von Javier Santana. Mehr als 1'000 Zuschauer wohnten am Samstag einem intensiven, aber nicht sehr hochstehenden Oberseederby bei.

Santana Torjubel
Frenetisches Bejubeln des Siegestreffers von Santana in der vorletzten Minute (Bild: Carlo Stuppia)

Die Meinungen gingen nach dem Spiel auseinander. Tuggens Protagonisten sprachen davon, dass sie «sicher nicht die schlechtere Mannschaft» waren, der Sieg «nicht unverdient» sei. Die Gastgeber erlebten derweil ein Spiel, in dem der FCRJ «das Spieldiktat mehr und mehr übernommen hatte», zu «zwingenderen Chancen kam» oder schlicht «die bessere Mannschaft» war.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Es hätten wohl alle von einem «verdienten Unentschieden» gesprochen, hätte Javier Santana in der 87. Minute nicht getroffen. Aber er traf. Und zwar zentimetergenau unter die Latte. Ausgerechnet Santana, der vor einer Woche bereits die Partie gegen YF Juventus in den Schlussminuten für die Märchler entschieden hatte.

Beidseits Glück und Pech
Tuggens Trainer Adrian Allenspach hatte recht, als er davon sprach, dass die Partie «auf beide Seiten hätte kippen können.» Denn gegen Ende der Partie war es der FCRJ, der näher am Sieg war. Rebronjas Freistoss aus 25 Metern wurde in der 71. Minute an den Pfosten abgelenkt. Und sechs Minuten später mähte Tuggens Goalie Waldvogel im Strafraum den FCRJ-Stürmer 
Da Silva um. Der Pfiff blieb aus. Waldvogels Intervention war elfmeterwürdig, darüber waren sich wohl alle einig, auch wenn dies die Tuggner nur ungern zugaben.

Der FCRJ hätte in der Schlussphase ein Tor verdient. Er konnte aber froh sein, dass er nicht früh einem Rückstand nachrennen musste. Denn vor der Pause ging von den St. Gallern überhaupt keine Gefahr aus. Die einzigen drei Abschlüsse resultierten jeweils aus Freistössen. Alle flogen am Tor vorbei. Tuggen hingegen fand um einiges besser ins Spiel, verzeichnete früh eine Chance (5.) und Sekunden vor dem Pausenpfiff einen Lattenschuss. Verantwortlich dafür war Jakup Jakupov, der auf diese Saison hin die Seite gewechselt hatte.

Nur bedingt ein «Derby»
Der auf Tuggner Seite vielumjubelte Treffer Santanas war der Höhepunkt einer Partie, die das Prädikat «Derby» nur bedingt verdiente. Sie war zwar oft unterhaltsam, stets spannend und hart umkämpft. Emotionen kamen aber nur bei (vermeintlichen) Fehlentscheidungen des Unparteiischen auf. Flühmann sah trotzdem ein typisches Derby. «Die Spieler waren ein bisschen nervöser als sonst. Man merkte, dass mehr Druck da ist.»

Rapperswil-Jona kassierte so die erste Niederlage der Saison und verpasste es damit, das «Head-to-Head» der Lokalrivalen auszugleichen. Seit dem ersten Pflichtspiel-Derby 1994 steht Tuggen nun bei elf Siegen, der FCRJ bei neun, Remis gab es elf. Die Zahlen stehen sinnbildlich für die enge Partie am Samstag, die ein leistungsgerechtes Unentschieden verdiente hätte. Mit dem FCT gewann aber die glücklichere Mannschaft. Allenspach brachte es auf den Punkt: «Man nehme, steht im Kochbuch. Und diese Punkte nehmen wir gerne.»

Bericht: Andreas Züger, www.marchanzeiger.ch


Stimmen zum Spiel
Stefan Flühmann, Trainer FCRJ: Der FC Tuggen agierte 
eher destruktiv, das ist aber sein gutes Recht. Nach schlechtem Start kamen wir besser in die 
Partie und waren zum Schluss die bessere Mannschaft, hatten mehr vom Spiel und mehr Chancen. Trotz der klaren Penaltyszene sind wir selbst schuld an der 
Niederlage, nicht der Schiedsrichter. Wenn in der 87. Minute der Siegtreffer fällt, wäre ein 0:0 wahrscheinlich immer 
gerechter.

Roman Güntensperger, Spieler FCRJ, letzte Saison noch beim FCT: Die Niederlage ist bitter, wenn man den Spielverlauf 
betrachtet. Wir waren über weite Strecken die bessere Mannschaft, hatten die zwingenderen Chancen. Doch Tuggen stand sehr 
solid, liess wenig zu, kam in der Offensive aber nur zu wenigen Halbchancen. Für mich war die Partie nichts extrem Spektakuläres. Es war einfach schön, die Kollegen zu sehen. Es macht immer Spass, gegen eine spielerisch starke Mannschaft zu spielen.

Adrian Allenspach, Trainer beim FC Tuggen: In der 
letzten Saison waren wir 
zweimal die bessere Mannschaft, gewannen aber nicht. Jetzt 
sieht das ein wenig anders 
aus, die Partie ist zu unseren 
Gunsten gekippt. Das schlechtere Team waren wir aber nicht. 
Es ist kein Zufall, dass der FCRJ 
so wenige Tore kassiert. 
Deswegen war es auch kein spektakuläres Spiel. Aber 
wir sind nicht gekommen, 
um schön zu spielen, sondern 
um zu punkten. Wir haben an uns geglaubt; es gibt Gründe, warum wir unsere Tore oft kurz vor Schluss schiessen.

Enis Ramadani, Spieler FCT, letzte Saison noch beim FCRJ: Es war speziell vor dem 
Publikum und gegen die 
alten Kollegen zu spielen. 
Man sah, dass keine Mannschaft viel riskieren und keinesfalls 
in Rückstand geraten wollte. 
Am Schluss war die Partie 
offener und wir die Sieger. Unverdient war der Sieg 
aber nicht...


Rapperswil-Jona – Tuggen 0:1 (0:0)

Grünfeld, 1020 Zuschauer. – SR: Fabian Hänggi
Tore: 87. Santana 0:1.

Rapperswil-Jona: Leite; Güntensperger, Schmid (88. Budimir), Simani, Elmer; Da Silva, Youssoufa (80. Klloloqi), Pecci, Siefkes; Santillo (75. Teixeira), Rebronja.
Tuggen: Waldvogel; Piperno, Dominik Schiendorfer (41. Weibel), Gugelmann, Schlauri (75. Manca); Santana, Moser; Senn, Kuhn, Ramadani (66. Zverotic); Jakupov.
Bemerkungen: Rapperswil-Jona ohne Yanz (verletzt), Al Abadi, Morina, Giallongo und Samson (alle nicht im Aufgebot). Tuggen ohne Tinner, Cyril Schiendorfer und Trovato (alle verletzt). Verwarnungen: 19. Waldvogel (Foul). 30. Senn (Foul). 59. Weibel (Foul). 62. Piperno (Foul). 65. Youssoufa (Foul). 
88. Santana (Unsportlichkeit). 41. Dominik Schiendorfer verletzt ausgeschieden. 45. Lattenschuss Jakupov. 
71. Pfostenschuss Rebronja.


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