«Krise ist ein schlimmes Wort», sagt Daniel Senn. Tuggens Captain spricht lieber von einer «schlechten Phase». Deshalb orientiert er sich in der Tabelle auch nicht mehr nach oben. Priorität hat der Klassenerhalt. Im Vorfeld zum Basel-Spiel sprach Andreas Züger vom March Anzeiger mit Daniel Senn.

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Captain Senn bringt viel Erfahrung mit (Archivbild: Carlo Stuppia) 

Ohne die bisherigen Resultate der Rückrunde aufzuzählen …
…lieber nicht. 

…ist, in eurer Situation, das Wort «Krise» gerechtfertigt?
Krise ist ein schlimmes Wort. Eine Krise ist, wo Krieg und Armut herrscht, sagte unser Trainer kürzlich. Und damit hat er recht. Aber wir befinden uns in einer schlechten Phase.

Wie dramatisch ist diese Phase?
Dramatisch wäre sie, wenn wir ganz unten wären, nichts mehr in den eigenen Händen hätten und auf Patzer von anderen hoffen müssten. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir brauchen noch zwei Siege, dann sind wir safe.

Wie konnte es nach der passablen Vorrunde so weit kommen?
Wir haben mit Patrick Peters einen der besten Verteidiger der Liga verloren und mit Christian Fassnacht einen guten Stürmer. Er hat zehn Tore geschossen und uns ein paar Punkte gebracht. Und, auch wenn ich nur ungern jammere, fehlt uns auch das Wettkampfglück.

Gab es in der bisherigen Rückrunde auch Positives?
In der Mannschaft stimmt noch alles. Es ist nicht so, dass alle gegen alle schiessen. Wir trainieren gut. Aber eine gewisse Verunsicherung ist da. Das ist für die Zuschauer wohl auch nicht zu übersehen. Anstatt selber konsequent den Abschluss zu suchen, spielen wir vielleicht doch den Pass zu viel. Man macht in der Defensive Fehler, die man sonst nicht macht.

Offensiv seid ihr, vor allem für eure Verhältnisse, extrem harmlos.
Ganz klar. Wir sind zu wenig durchschlagskräftig. Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, trotz einigen Gegentoren ein Spiel gewinnen zu können. Jeder muss sich an der eigenen Nase nehmen und entschlossener auftreten. Dann kommt auch das Glück zurück. Dann gäbe es auch dreckige Tore. So könnte mal der, mal der andere Selbstvertrauen tanken.

Tuggen spielt immer oben mit. Fehlt es in solchen Situationen nun vielleicht etwas an Erfahrung?
Seit ich hier bin, kenne ich das nicht. Und ich will es bald auch nicht mehr kennen. Ich persönlich weiss aber, was es braucht. Bei Schaffhausen in der Super League mussten wir uns auch eher nach unten orientieren. 

Zum Schluss der Saison warten mit Locarno und Old Boys zwei Strichclubs. Denkt man als Mannschaft daran, dann möglicherweise gegen den Abstieg spielen zu müssen?
Wir sind in einer Lage, in der es sehr schnell gehen kann, das ist klar. Aber wir beschäftigen uns nicht damit, dass wir bis zum Schluss zittern müssen.

Lautet das Saisonziel also einzig Klassenerhalt, oder schielt man trotzdem noch nach oben?
Ich habe mich bis vor der Pleite gegen Delémont nach oben orientiert. Ein Sieg, dann drei Punkte gegen Breitenrain, und wir wären Sechster gewesen, zwei Punkte hinter YF Juventus. Das hat nun gekehrt. Wir schauen nicht mehr nach oben. Priorität hat, genügend Abstand zum Strich zu schaffen. 

Es stehen zwei schwierige Spiele gegen spiel- und laufstarke U21-Teams an. Was muss passieren?
Es sind kleine Sachen. Gut arbeiten, positiv bleiben, noch mehr laufen, einen Schritt mehr zurückrennen als sonst. Wir haben viele junge Spieler. Als ich jung war, habe ich mich auch nicht immer 90 Minuten zerrissen. Nun, mit 31 Jahren, schon. Das probiere ich vorzuleben. Und wir müssen den Teamgedanken ganz bewusst leben.

Früher waren sie Profi, nun berufstätig und Vater. Gehen Sie mit solchen Phasen anders um als früher?
Es macht einen Unterschied, ob Fussball ein Beruf oder ein Hobby ist. Früher machte ich mir den ganzen Tag lang Gedanken über Fussball. Ich war aufgebracht nach einer Niederlage. Jetzt bin ich geerdet, gelassener geworden. Eine Pleite kann ich auch mal differenziert betrachten und viel eher akzeptieren. Vor allem, wenn der Gegner ganz einfach besser war. Um auf den Anfang zurückzukommen: Fussball ist nur ein Spiel, es gibt Wichtigeres im Leben. Nur: Wenn ich auf dem Platz bin, bin ich noch derselbe wie früher. Ich kann immer noch durchdrehen. Der Siegeswille ist nach wie vor da.

Interview: Andreas Züger, www.marchanzeiger.ch

FC Basel II – FC Tuggen
Sonntag, 14.30 Uhr, Münchenstein


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