Zwei Minuten lang schnupperte der FC Tuggen vor 2621 Zuschauern an einem Punkt. Xamax Neuchâtel erwies sich aber als zu stark und gewann – auch etwas glücklich – 3:1.

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Captain Senn erzielte gegen Xamax eine Viertelstunde vor Schluss den hoffnungsvollen Ausgleich (Archivbild: Carlo Stuppia)


Noch eine Viertelstunde war zu spielen. Erstmals überhaupt biss sich der FCT in der gegnerischen Gefahrenzone fest. Daniel Senn vollendete den Angriff mit einem Schuss aus der Drehung und glich Chattons Führungstreffer (17.) aus. Es war das 50. Meisterschaftstor des dienstältesten Spielers des FCT.

Plötzlich schien es, als ob Tuggen aus dieser einseitigen Partie einen Punkt mitnehmen könnte. Zwei Minuten später erstickte Neuenburgs Toptorjäger Mickael Rodriguez diese Hoffnungen aber im Keim, Mael Erard entschied die Partie mit einem genau in die Ecke platzierten Volley aus 20 Metern endgültig. Vorbei war sie, die Chance auf einen Punkt.

Unterschiede waren unübersehbar
Bitter für Tuggen: Dem 2:1 ging ein Foul von Xamax voraus, beim 3:1 spielte der FCT nur zu Zehnt, weil Christian Schlauri an der Seitenlinie seine Platzwunde am Kopf behandeln lassen musste.

Doch trotz allem: Hauptverantwortlich für die Tuggner Niederlage war nicht der Schiedsrichter oder eine Verletzung, sondern die bärenstarken Gastgeber. Die Unterschiede der beiden Kontrahenten von gestern Nachmittag sind gross. Hier der zweifache Schweizer Meister, der Tabellenführer, der Ligakrösus, die Profis. Dort der Mittfeldclub, der Dorfclub, die Amateure. Diese Unterschiede konnte die Tuggner Elf nicht kaschieren.

Es fehlte an Präzision
Xamax dominierte die erste Halbzeit beinahe nach Belieben und war fast immer in Ballbesitz. Die Partie ähnelte einem Cupspiel, in dem der Kleine dem Grossen ein Bein zu stellen versucht. Die Märchler wussten um die offensive Qualität der Neuenburger. Erst einmal blieb Xamax in dieser Saison ohne Torerfolg. Alleine die beiden Offensivspieler Mickael Rodriguez und Marco Delley trafen in dieser Saison so oft wie die ganze Tuggner Mannschaft zusammen. Der FCT wollte und konnte dieses Spiel nicht bestimmen, stand tief und setzte auf eine solide Defensive.

Vielleicht, ja vielleicht hätte man aufgrund der kämpferischen Leistung von einem verdienten Punkt für Tuggen reden können. Denn Defensiv liess man, trotz der deutlichen Feldüberlegenheit Neuenburgs, relativ wenige Torchancen zu. Einmal in Ballbesitz, war Tuggen zwar bemüht, das Leder in den eigenen Reihen zu halten, das Spiel sauber aufzubauen. Gegen die gut organisierten und äusserst aufsässigen Westschweizer war dies aber ein extrem schwieriges Unterfangen. Immer wieder sahen sich die Märchler gezwungen, riskante Pässe oder lange Bälle zu schlagen. Darunter litt die Präzision, was zu vielen Ballverlusten führte. Und wenn dann in der Offensive einzelne Nadelstiche gesetzt werden konnten, fehlte es auch hier an der Präzision, an der letzten Konsequenz, vielleicht auch am Glauben, um diese Angriffe erfolgreich zu Ende zu spielen. Dem Offensivspielvdes FCT hätte eine Portion Mut gut getan.

«Wir hätten einen Punkt verdient»
«Xamax kann extrem schnell umschalten. Wir hatten grossen Respekt davor, ihnen in ihre brandgefährlichen Konter zu laufen und agierten etwas zu zaghaft», sagte auch Tuggens Jonas Moser nach der Partie. «So, wie das Spiel gelaufen ist, hätten wir am Schluss einen Punkt verdient, finde ich», analysierte er. «Es ist schade, weil unsere Taktik bis zum 2:1 voll aufging. Wir konnten das 0:1 relativ lange halten, denn bei einem 0:2 wäre es wohl unmöglich geworden, in die Partie zurückzukehren», so Moser. «Aber wir blieben im Spiel, im Wissen, dass sich uns eine Chance bieten würde.» Moser anerkennt aber auch die Leistung des Gegners. «Xamax ist eine ganz starke Mannschaft.»

Bericht: Andreas Züger, www.marchanzeiger.ch


Xamax Neuchâtel – Tuggen 3:1 (1:0)
Maladière, 2621 Zuschauer. SR: Michael Huber.
Tore: 17. Chatton. 76. Senn. 78. Rodriguez 2:1. 87. Erard.

Xamax: Walthert; Gomes, Bize, Sallaj, Sauget; Di Nardo; Erard (89. Lara), Boillat (78. Lovacco), Delley; Rodriguez, Chatton (83. Challandes).
Tuggen: Cardoso; Gugelmann (65. Cyril Schiendorfer), Dominik Schiendorfer, Tinner, Schlauri (65. Manca); Russheim, D’Acunto (83. Krasniqi); Senn, Moser, Güntensperger; Zverotic.
Bemerkungen: Xamax ohne Meneses (U18), Witschi, El Allaoui, De Coulon, Schneider (verletzt) und Mveng (gesperrt). Tuggen ohne Waldvogel, Gallo (verletzt), Antonio Piperno (gesperrt) und Santana (nicht im Aufgebot). Spiel auf Kunstrasen. Bernard Challandes unter den Zuschauern. Verwarnungen: 61. Russheim (Unsportlichkeit), 73.Manca (Foul), 79. Rodriguez (Unsportlichkeit), 87. Cardoso. 64. Lattenschuss Boillat.

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