Nach einer schwachen Phase hat sich der FC Tuggen aus dem Tief gekämpft. Trainer Adrian Allenspach glaubt, dass man im letzten Jahr nicht so einfach aus so einer Krise gefunden hätte. «Die Mannschaft ist homogener geworden.» Nach einem Drittel der Meisterschaft sprach Andreas Züger vom March Anzeiger mit Adrian Allenspach. 


«Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine gewisse Verunsicherung herrschte», so Adrian Allenspach. (Bild: Carlo Stuppia)

Ein Drittel der Saison ist um. Fünf Siege stehen fünf Niederlagen gegenüber. In der Tabelle ist Tuggen genau in der Mitte zu finden – Durchschnitt also. Reicht dies für Tuggner Ansprüche?
Ja, es ist eine durchschnittliche Bilanz… (unterbricht) Unsere Ansprüche sind mittlerweile sehr hoch. Wir waren in den letzten beiden Saisons jeweils Fünfter, obwohl das primäre Ziel immer der Klassenerhalt war. Aber wir sind nicht so weit oben klassiert, wie wir uns das vorstellten, jedoch auch nicht so schlecht, wie manche das Gefühl haben. 

Im Spätsommer gab es in sieben Pflichtspielen sechs Niederlagen. In dieser Phase sprachen Trainer und Spieler oft von Pech. Ist diese Baisse damit zu erklären?
Wir haben uns mit der Niederlage gegen St. Gallen in eine ungemütliche Lage gebracht, danach kam die eklatante Cup-Pleite in Hergiswil. Das war einschneidend. Es folgten weitere Niederlagen. Das Spiel gegen Rapperswil-Jona ist mir noch sehr präsent, das hätten wir nicht unbedingt verlieren müssen. Dann kam das Spiel gegen Köniz, nach einer Viertelstunde waren wir noch zu zehnt… Es ist  sicher nicht für uns gelaufen.

Man war also beunruhigt. Wie hat der Verein diese Phase aufgenommen?
Es war für alle eine neue Situation. Ich bin in der achten Saison in Tuggen, zum Glück waren wir in dieser Zeit noch nie in der zweiten Tabellenhälfte. Es war aber ruhig in der Führungsetage, und die Mannschaft hat auch gewusst, dass wir nicht ganz so schlecht sind. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass eine gewisse Verunsicherung herrschte. Uns fehlte die Leichtigkeit. 

Ihre Mannschaft kassierte in der vergangenen Saison 55 Gegentore, nun sind es auch bereits wieder 21.
Wir haben Spiele gehabt, die einschenkten. Je vier Gegentore gegen Köniz, YF Juventus und Xamax… Es ist sicher nicht das, was wir uns erhofft haben. Wie das Beispiel FCRJ zeigt, ist es wegweisend, wenige Tore zu erhalten. Aber wir verlieren einmal 1:4 als zweimal 0:2.

Was sind die positiven Erkenntnisse aus dem ersten Saisondrittel?
Dass wir in der Phase, in der es nicht gut lief, innerhalb der Mannschaft Ruhe hatten. Ein Zeichen für eine intakte Mannschaft. Von den Charakteren haben wir eine gute Truppe. Positiv waren auch die vier Siege in der Nachspielzeit. Dies gelingt einem Team nicht, wenn es gegeneinander schiesst, keine Einheit ist.

Also waren diese vier Last-Minute-Siege kein Zufall?
Ein-, zweimal kann es das schon geben, aber bei vier solchen Siegen glaube ich schon, dass es nicht nur mit Glück zu tun hat.

«Der Cup war eine grosse, grosse Enttäuschung»
Der bitterste Moment der Saison war das Aus im Cup gegen Hergiswil. Mit ein wenig Abstand betrachtet: Hat Tuggen den Gegner unterschätzt?
Wenn man gegen eine um zwei Ligen tiefer spielende Mannschaft verliert, muss es Faktoren geben. Es ist sicher so gelaufen, wie es laufen muss, damit ein Unterklassiger so ein Spiel gewinnen kann. Wir waren auch nicht gut an diesem Tag. Man könnte meinen, wir haben sie unterschätzt. Der Gegner war einfach bissiger und hungriger auf dieses Spiel, als wir es waren. Die Niederlage war eine grosse, grosse Enttäuschung.

In der Sommerpause musste Tuggen einige gewichtige Abgänge verkraften. Vor der Saison konnten Sie die Frage, ob die Qualität des Kaders gehalten werden konnte, noch nicht beantworten. Haben Sie jetzt eine Antwort?
Es gab Abgänge, die wir bedauerten und solche, bei denen wir froh waren. Wir haben individuelle Klasse wie jene von Vilson Doda verloren, der
ein Spiel entscheiden konnte. Auf der anderen Seite ist das Team homogener geworden. In der letzten Saison wären wir aus einer Niederlagenserie nicht so einfach herausgekommen. Wir waren auch im Vorjahr verwundbar. Die grosse Krise begann nach dem 4:0-Auswärtssieg bei Le Mont. Aber ich will nicht mehr über die Abgänge sprechen.

Also zu den Neuzugängen. Roman Güntensperger spielt noch nicht jene Rolle im Team, wie man sie von einem ehemaligen Challenge-League-Stammspieler erwarten dürfte.
Zwei Drittel unserer Spieler sind ehemalige Challenge- oder Super-League-Spieler. Roman hatte lange keine Spielpraxis, keinen Ernstkampf, dann verletzte er sich noch leicht.

Hatte die spezielle Konstellation mit dem Vater als Präsident und dem Sohn als Spieler irgendeinen Einfluss?
Für mich nicht.

Viel Vorschusslorbeeren brachte Allex Titton mit, bisher ist er aber kaum über die Rolle des Jokers hinausgekommen.
Auch er war leicht verletzt. Aber wie meist nach Transfers ist der eine besser als erwartet, ein anderer hat Startschwierigkeiten oder enttäuscht. Man muss nicht auf Allex rumreiten. Ich hoffe, dass er für uns noch das eine oder andere Tor schiessen wird, und dann sieht die Sache bereits wieder anders aus.

Verbessert präsentieren sich Veton Krasniqi und Antonio Piperno. Teilen Sie diese Einschätzung?
In der letzten Saison waren beide nah dran an einem Stammplatz. Antonio ist ein wertvoller Teamspieler. Er ist immer da, wenn man ihn braucht. Dies zeigt er auch jetzt. Dasselbe gilt für Veton. In der Offensive kann man ihn überall einsetzen, er hat auch in der letzten Saison das eine oder andere Tor geschossen. Er kam aus einer tieferen Liga und brauchte eine gewisse Akklimationszeit. Manche Spieler machen einen Schritt vorwärts, andere bleiben stehen. Es ist schön, das die Leistungen von Antonio und Veton wahrgenommen werden.

Zur Goaliesituation. Timon Waldvogel wurde als Nummer 1 geholt. Ihm wurde aber auch schon Sebastiano Gallo vorgezogen. Hatte das mit Waldvogels Leistungen oder der Verletzung zu tun?
Wahrscheinlich hing das zusammen. Timon war nicht vollends fit, wohl auch im Kopf nicht ganz frei. Man sah ihm manchmal die mangelnde Spielpraxis an. Wir sagten aber anfangs Saison, das wir mit «Seba» einen guten zweiten Torhüter haben, der seine Einsätze erhalten wird. Und so kam es dann auch. Die Situation kehrt manchmal, jetzt in eine überraschende Richtung. Wir hätten nicht gedacht, dass gleich beide Torhüter verletzt ausfallen. Wenn sie zurück sind, wollen sich beide aufdrängen. Mit 22 und 23 Jahren sind es junge Goalies. Ich sah selten einen Torwart, der in diesem Alter schon komplett war. 

Nicht zum ersten Mal hat Tuggen aufgrund Sperren und Verletzungen mit personellen Engpässen zu kämpfen. Ist das Kader zu schmal?
Wir hatten immer drei Spieler auf der Bank, es war also schon schlimmer. Ich glaube nicht, dass man von einem Engpass reden kann. Verletzungen sind normal. Mir würde es Sorgen bereiten, wenn wir sechs, sieben Spielern mit muskulären Problemen hätten, dann würden wir etwas falsch machen. Das mit den Sperren ist etwas anderes, da haben wir uns selber in die Bredouille gebracht. Wir haben uns in der Krise selber geschwächt. Das darf es nicht geben.

Noch ein Wort zur Liga. Rapperswil-Jona führt die Tabelle an. Wer ist Ihr Aufstiegsfavorit?
Jene Mannschaften, die jetzt oben stehen, sind ernst zu nehmen. Eigentlich würde ich meinen Köniz, aber auch Xamax kommt in Fahrt. Rapperswil-Jona hat den Schwung des Aufstiegs mitnehmen können. Die Juniorenteams sind stark, YF ist stark, Breitenrain stärker als im Vorjahr… Es ist nach wie vor eine sehr gute, interessante Liga. Und wenn der FC Tuggen halt mal auf dem neunten Rang steht, heisst das nicht, das wir katastrophal schlecht sind. Andere betreiben einen riesigen Aufwand. Köniz ist eine Profitruppe, andere sind Halbprofis. Das wir mit unserem «Feierabend-Fussball» mithalten können, ist gut. Man ist sich hier anderes gewohnt. Da wird sofort gefragt, was los ist, wenn man im Mittelfeld ist.

Die Erwartungshaltung orientieren sich meist an der Vergangenheit.
Ich weiss, ich weiss. Aber in den letzten acht Jahren wurde das Niveau stets besser, deswegen sehe ich das ganze nicht so drastisch.

 

Erstmals steht Hirzel zwischen den Pfosten
Im Sittener Tourbillon spielt Tuggen morgen gegen die Reserven des FC Sion. Nicht ins Wallis reisen wird der gesperrte Captain Daniel Senn. Fehlen wird auch Dominik Schiendorfer, der sich nach wie vor von seiner Hirnerschütterung erholt, und Allex Titton, den Leistenprobleme plagen. Fraglich sind Javier Santana und Raymond Tinner. Verletzt sind zudem die beiden Torhüter Sebastiano Gallo und Timon Waldvogel. Somit kommt der kurzfristig von Vaduz ausgeliehene Andreas Hirzel zu seinem Einstand im Tuggner Dress. Erneut als Ersatzgoalie fungiert A-Junior Patrick Mettler im Aufgebot.

Interview & Bericht: Andreas Züger, www.marchanzeiger.ch

 

FC Sion II – FC Tuggen
Samstag, 16 Uhr, Stade de Tourbillon, Sion


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