Lange war es undenkbar, dass sich die Wege der Fussballclubs aus Neuenburg und Tuggen einst in derselben Liga kreuzen würden. Heute Abend aber duelliert sich der zweifache Meister der 80er-Jahre mit dem Amateurverein Tuggen – und dies auf Augenhöhe.


Am Mittwoch Abend wieder mit vollem Einsatz gegen Xamax (Javier Santana). (Archivbild: Carlo Stuppia)

Es war ein Trauerspiel, wie es die Fussball-Schweiz noch nie erlebte. Bulat Tschagajew übernahm am 12. Mai 2011 den Westschweizer Traditions-club Neuenburg Xamax. Dass fast auf den Tag genau acht Monate später dem Verein mit sofortiger Wirkung die Lizenz für die Super League entzogen würde, ahnte damals noch niemand.

Dabei war das Vertrauen in den Tschetschenen zu Beginn gross. Von rund 300 000 Aktienstimmen, schrieb «20 Minuten online», gab es bloss dreimal ein Nein, dies bei etwas über 1000 Enthaltungen. Darauf folgte ein regelrechter Zirkus. Man sprach in Neuenburg von grossen Trainern, die verpflichtet werden sollten. Gar die Fussball-Legenden Ruud Gullit oder Diego Armando Maradona wurden mit Xamax ins Gespräch gebracht. An der Seitenlinie stand letztlich Sonny Anderson, ebenfalls ein grosser Name. Dieser verfügte aber nicht über die nötige Lizenz, einen Club in der höchsten Schweizer Liga zu führen. Kurze Zeit später war dies sowieso egal. Nach einer 0:2-Niederlage beim FC Basel wurde Anderson zusammen mit dem ganzen Staff entlassen. Es blieb nicht die einzige Mutation. Spieler, Trainer, Funktionäre wurden in regelmässigen Abständen eingestellt, nur um sie wenige
Wochen später wieder zu entlassen.

Tschagajew wartet auf den Prozess
Es gab weitere kuriose Anekdoten, die Neuenburg Xamax unter der Führung von Tschagajew ablieferte. In der Halbzeitpause wurden jeweils tschetschenische Volkstänze vorgeführt, im Stadion waren Schriftzüge in kryllischer Schrift zu lesen. Saisonkarten von Mitgliedern zweier Fanclubs wurden ohne Begründung gesperrt. Bereits im November eröffnete die Swiss Football League das dritte Verfahren gegen den Club.

Später kam ans Tageslicht, das Tschagajew Bankdokumente fälschen liess, mit denen er nachweisen wollte, 35 Millionen Dollar zu besitzen. Am 18. Januar 2012 hatte das groteske Tun Tschagajews ein Ende. Der Tschetschene hatte es scheinbar ohne Gegenwehr geschafft, einen finanziell gesunden Traditionsverein mit einem modernen Stadion innert Kürze total zu ruinieren. Der Club wurde später in die 2. Liga interregional zwangsrelegiert. Tschagajew wartet indes auf seinen Prozess. Ungetreue Geschäftsführung wird ihm vorgeworfen.

2013 fusionierte Xamax mit dem FC Serrières, stieg im selben Jahr in die 1. Liga Classic und dann sofort in die Promotion League auf. Xamax scheint also auf direktem Weg in den Profi-Fussball zu sein. Auf direktem Weg in Richtung alte Zeiten, die zum Beispiel der zweifache Meistertrainer Gilbert Gress prägte. Oder Spieler wie Alain Geiger, Heinz Hermann, Andy Egli, Lucien Favre, Uli Stielike oder der aktuelle Nationalspieler Haris Seferovic. Letzterer wurde übrigens während der Zeit Tschagajews entlassen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit vier Spielen ohne Sieg hat Xamax nun auch in der Promotion League Fuss gefasst. Zuletzt folgten drei Siege in Serie, am Wochenende aber auch die Cup-Niederlage gegen GC. Die Neuenburger sind als eine der besten Mannschaften der Liga einzustufen, auch weil mehrere ehemalige Profis im Kader sind. Der neue
Trainer Roberto Cattilaz will darüber hinaus vor allem auf junge Spieler aus der Region setzen. Randnotiz: Cattilaz war unter Tschagajew bereits Trainer der U21 von Xamax.

Drei Tuggner wieder zurück
Obwohl der Glanz alter Tage (noch?) nicht zurück ist bei Xamax – das Duell zwischen dem Traditionsverein und dem kleinen Landclub ist aus Ausserschwyzer Sicht eine besondere Affiche. Der FCT will nach dem verpatzten Saisonstart den Tritt finden. Den Anfang machte der 2:1-Auswärtserfolg gegen die SR Delémont. Nun präsentiert sich auch die Personalsituation bei den Märchlern entspannter als noch vor Kurzem. Nach einer Verletzung kehrt Cyril Schiendorfer zurück, dazu hat Sandro Gugelmann seine vier Spielsperren abgesessen.

Bericht: Andreas Züger, www.marchanzeiger.ch

Tuggen – Xamax
Heute, 20 Uhr, Linthstrasse

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